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Alkohol im Betrieb

Folgen für Mitarbeiter und Betrieb

Alkoholismus wird heute zunehmend auch in der Arbeitswelt als wirtschaftliches und humanes Problem wahrgenommen. Während 1979 erst rund 20 Betriebe in der BRD über eigene Präventions- und Hilfeprogramme verfugten, sind es heute rund 700 Unternehmen, die ein innerbetriebliches Hilfsprogramm auflegen. Nachfolgend werden einige Grunde hierfür genannt.

Betriebliche Kosten des Alkoholmissbrauches

Durch Alkoholmissbrauch bedingte Kosten setzen sich aus einer Vielzahl von Faktoren zusammen und sind nur zum Teil direkt erfassbar. Solche Faktoren sind zum Beispiel:

  • Schlechte Arbeitsqualität
    Schon kleinere Mengen Alkohol können die körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeiten eines Mitarbeiters beeinträchtigen. Er wird somit gegebenenfalls zum Sicherheitsrisiko für sich und andere.
    Statistisch ist die Annahme gestützt, dass ein Mitarbeiter mit Alkoholproblemen etwa 25 % seiner Arbeitsleistung nicht erbringen kann. Die Kosten, die für den Betrieb dadurch erstehen, hat man mit 1,25 % der gesamten Lohn- und Gehaltssumme eines Unternehmens errechnet.
  • Maschinenbedienungsfehler
    Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren schätzt, dass bei 10 bis 30 % der Betriebsunfälle Alkohol eine Rolle spielt. Alkoholkranke sind ca. 3,5 mal häufiger in Betriebsunfälle verwickelt als gesunde Mitarbeiter.
  • Fernbleiben vom Arbeitsplatz
    Vorliegender Alkoholismus führt bei Mitarbeitern zu einer signifikanten Häufung des entschuldigten und unentschuldigten Fernbleibens vom Arbeitsplatz. Sie sind hauptsächlich wegen ihrer Rauschzustände oder den direkten oder indirekten Folgen von körperlichen Alkoholfolgeschäden wesentlich öfter arbeitsunfähig als ein gesunder Mitarbeiter. In deutschen und amerikanischen Unternehmen hat man folgende Fehlzeiten bei alkoholkranken Mitarbeitern festgestellt: 16 mal häufigeres Fernbleiben vom Arbeitsplatz, 2,5 mal häufiger krank, 1,4 mal längeres Fehlen nach Unfällen.
  • Mangelnde Auslastung von Fertigungskapazitäten
  • Überstundenkosten wegen Ausfall alkoholkranker Mitarbeiter
  • Störungen und Belastungen von Arbeitsgruppen durch alkoholisierte Mitarbeiter und die Beeinträchtigung des Arbeitsklimas. Eine Untersuchung eines werksärztlichen Dienstes hat herausgefunden, dass 100 alkoholgefährdete bzw. abhängige Mitarbeiter in 5 Jahren über 1,5 Millionen € Kosten verursachen.
    Nach Schätzung des Bundesverbandes der deutschen Arbeitgeberverbände beläuft sich der wirtschaftliche Schaden pro 1000 Beschäftigte auf 75.000 bis 100.000 € pro Jahr.
    G. Bühringer und R. Simon (in Psycho 18; 3/1992) berechneten auf der Grundlage von sehr sorgfältigen ökonomischen Analysen der missbrauchsbezogenen Kosten aus den USA und der Schweiz einen volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von 25 bis 40 Milliarden € pro Jahr in der BRD! Die gesetzlichen Rentenversicherungen, zuständig für die Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankten, haben allein im Jahre 1985 für Langzeitentwöhnungsbehandlungen den Betrag von umgerechnet 240 Millionen € ausgegeben.

Die Notwendigkeit innerbetrieblicher Hilfsmaßnahmen

Abhängigkeitserkrankungen und Gesellschaft
Die Zahl der alkoholkranken Menschen in einem Betrieb muss man in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext sehen, um die Dimensionen, um die es hier geht, zu verstehen. Man kann davon ausgehen, dass der Gesamtverbrauch von Alkohol in der Bundesrepublik sich auch im Konsumverhalten innerhalb eines Betriebes niederschlägt. Dabei lehren uns die Statistiken, dass der Alkoholverbrauch in unserem Lande von 1950 bis 1976 massiv angestiegen ist und sich seither auf einem hohen Niveau eingependelt hat. Die Bundesrepublik Deutschland hat mit einem pro Kopf Konsum von 12,14 l (1991) reinen Alkohols einen internationalen Spitzenplatz. «Umgerechnet auf die Bevölkerungsgruppe der 15- bis 70-jährigen bedeutet das, dass der Pro-Kopf-Verbrauch bereits bei 14,73 l/Jahr liegt» (DHS Jahrbuch Sucht, 1996).

Eine andere Untersuchung (Junge 1995) hat den Alkoholkonsum des Jahres 1991 (12,14 l reiner Alkohol) für die tatsächlichen Alkoholkonsumenten im Alter von 25 bis 69 Jahren berechnet und kommt somit auf etwa 55g für Männer und 40 g für Frauen pro Tag. Hiermit sind die Grenzwerte für einen wenig gesundheitsriskanten Alkoholkonsum: von 20 9 bei Frauen und 40 g bei Männern bei weitem überschritten. Nach Schätzungen der DHS beträgt der Anteil alkoholkranker Menschen an der Gesamtbevölkerung ca. 2-3 % Dies bedeutet, dass 2.500.000 Menschen in Deutschland behandlungsbedürftig alkoholkrank sind. Bezogen auf den betrieblichen Bereich ist diese Quote deutlich höher: circa 10 % aller Werktätigen müssen als alkoholkrank bezeichnet werden. Dass diese Angaben eventuell nach oben revidiert werden müssen, zeigt ein Repräsentativerhebung zum Gebrauch psychoaktiver Substanzen bei Erwachsenen in Deutschland (Herbst et al, 1999): Diese Erhebung weist auf ein Missbrauchsverhalten in der Bevölkerung hin, welches höher ist, als bisher angenommen wurde. So haben 3 % der Befragten zwischen 8 und 59 Jahren oder hochgerechnet 6,5 Millionen Personen aus der Bevölkerung einen schädlichen Gebrauch von alkoholischen Getränken. Diese Werte werden sowohl durch die Angaben über kritische Grammwerte (siehe oben) als auch über die erfragten negativen Konsequenzen des Alkoholkonsums bestätigt.

Hinzu kommt, dass man hochgerechnet mit 7 Millionen starken Rauchern mit einem gesundheitsschädlichen Konsum von 20 und mehr Zigaretten pro Tag rechnen muss.

Da sich ein großer Teil dieser beiden Personengruppen überschneidet, muss man davon ausgehen, dass sich das Gesundheitsrisiko durch Mehrfachmissbrauch erheblich steigert.

Eine Studie («Dringliche Gesundheitsprobleme der Bevölkerung» Jahrbuch Sucht 1992 der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren) berichtet, dass die «...Übersterblichkeit alkoholkranker Menschen auf das Dreifache der Gesamtbevölkerung geschätzt wird.»
Alkoholabhängige sterben etwa:

  • neunmal so häufig an Leberzirrhose,
  • zweimal so häufig an Krebserkrankungen des Magens und der oberen Verdauungswege und
  • dreimal so häufig an den Folgen von Unfällen

als die Normalbevölkerung.

Insgesamt werden jährlich etwa 40.000 Todesfälle auf Alkoholismus zurückgeführt. Circa die Hälfte aller Verkehrsopfer sind das Ergebnis alkoholbedingter Verkehrsunfälle. 1/5 aller Verkehrstoten sind dem Alkohol zuzuschreiben. Die Scheidungsrate ist etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Jährlich werden circa 1.800 Kinder geboren, die durch Alkoholkonsum der Mutter geschädigt sind.

Diese Zahlen führen vor Augen, dass Alkoholismus nicht nur ein Problem des einzelnen, des Betroffenen und seiner Familie ist. Der Umfang dieser Krankheit produziert erhebliche soziale Kosten welche sind (Grüner und Turek 1981):

  • Ausbildung und Arbeit
  • Krankheit und Therapie
  • Rehabilitationsversuche durch Selbsthilfe
  • Kriminalität
  • Rechtsfolge
  • Verwaltung

Die alkoholbedingten Probleme erfordern sofortiges, generelles und umfassendes Handeln. Es gibt schon lange keine Balance mehr zwischen den gesellschaftlichen und individuellen «Erträgen» und «Verlusten.» (R. Hüllinghorst im DHS Jahrbuch Sucht 1996)

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